Freitag, 9. Oktober 202623:11 Uhr
13° Nieselregen Eilmeldungen abonnieren
NeuwiedFM

Johann Friedrich Alexander zu Wied-Neuwied

Johann Friedrich Alexander zu Wied-Neuwied holte Herrnhuter, Roentgen und Manufakturen nach Neuwied und wurde 1784 der erste Fürst zu Wied.

Johann Friedrich Alexander zu Wied-Neuwied regierte mehr als ein halbes Jahrhundert über die Grafschaft und machte Neuwied zu einer aufstrebenden Residenzstadt. Unter ihm siedelten sich Glaubensflüchtlinge, Handwerker und Manufakturen an, und 1784 erhob der Kaiser das Haus Wied in den Fürstenstand. Damit wurde der Enkel des Stadtgründers zum ersten Fürsten zu Wied.

Leben

Geboren wurde er im November 1706 in Seeburg, das heute zu Schmidthahn gehört, als ältester Sohn des Grafen Friedrich Wilhelm zu Wied-Neuwied, der das Neuwieder Schloss hatte neu errichten lassen. Er studierte in Straßburg und Königsberg und bewies früh diplomatisches Geschick. Als Frankreich im Polnischen Erbfolgekrieg hohe Abgaben von der Grafschaft verlangte, schickte ihn sein Vater nach Paris. Dort wirkte er an der Vermittlung des Friedens zwischen dem Kaiser und Frankreich mit und wurde dafür zum kaiserlichen Kammerherrn ernannt.

Nach dem Tod des Vaters im September 1737 übernahm er nach einer kurzen Zwischenzeit unter seinem jüngeren Bruder die Regierung. 1739 heiratete er Karoline von Kirchberg, Gräfin von Sayn-Hachenburg. Von den Kindern des Paares erreichte nur der Sohn Friedrich Karl das Erwachsenenalter; er folgte dem Vater später als Fürst nach. Johann Friedrich Alexander starb am 7. August 1791 in Neuwied.

Toleranz als Standortpolitik

Seine Herrschaft knüpfte an den Kurs seines Großvaters an, Neuwied durch Glaubensfreiheit für Zuwanderer attraktiv zu machen. 1739 fanden die andernorts verfolgten Inspirierten in der Stadt Aufnahme. 1750 kamen Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeine, nachdem sie ihre Siedlung in der Wetterau hatten verlassen müssen. Sie errichteten am südöstlichen Rand der Stadt ein eigenes Viertel; das erste Karree war bis 1772 bebaut, ein zweites bis 1780. Zu den Neuankömmlingen gehörte der Kunsttischler Abraham Roentgen, den der Graf nach Neuwied einlud und vom Zunftzwang befreite. Später lieferte die Werkstatt auch Möbel für den Grafen selbst.

Der jüdischen Gemeinde half der Landesherr mit Geld und Material beim Bau einer Synagoge, die 1748 eingeweiht wurde. Die Mennoniten erhielten 1768 eine eigene Kirche am Ende der heutigen Schlossstraße. Mit einer 1756 gegründeten freien Akademie versuchte er zudem, Glaubensrichtungen miteinander ins Gespräch zu bringen; sie bestand allerdings nur bis Ende 1758.

Wirtschaft und Stadtentwicklung

Ebenso wichtig wie die Religionspolitik war ihm das wirtschaftliche Wachstum seines kleinen Landes. Während seiner Regierungszeit entstanden in Neuwied unter anderem eine Eisenfabrik, eine Porzellanfabrik, eine Blechfabrik und eine Baumwollspinnerei. Mit Lotterien, bei denen Häuser zu gewinnen waren, und großzügiger Unterstützung für Bauherren trieb er die planmäßige Erweiterung der Stadt voran. Die Zahlen belegen den Erfolg: 1771 standen in Neuwied 393 Wohnhäuser, um 1790 lebten rund 5000 Menschen in der Stadt.

Auch die Residenz selbst gewann an Glanz. Den Schlosspark ließ er unter anderem mit Volieren, Brunnen und Grotten ausstatten, und zwischen 1757 und 1762 entstand oberhalb von Altwied das Schloss Monrepos als Sommersitz.

Der Weg zum Fürstentitel

Politisch spielte der Graf über Neuwied hinaus eine Rolle. Er stand dem Niederrheinisch-Westfälischen Grafenkollegium vor und vermittelte zwischen protestantischen und katholischen Reichsgrafen. Einen Fürstentitel, der ihm bereits 1738 in Aussicht gestellt worden war, lehnte er zunächst auch aus Kostengründen ab. 1784 schließlich erhob Kaiser Joseph II. das Haus in den erblichen Reichsfürstenstand. Der Bonner Historiker Max Braubach zählte ihn später zu den besten Vertretern des aufgeklärten Absolutismus im Reich.

Spuren in Neuwied heute

Das sichtbarste Zeugnis seiner Politik ist das Herrnhuter Viertel zwischen Langendorfer, Friedrich-, Pfarr- und Engerser Straße, dessen erstes Karree bis heute erhalten ist. Auch die Mennonitenkirche aus seiner Regierungszeit steht noch; nach einem Brand 1984 wurde sie wiederaufgebaut und dient seither als städtische Galerie. Das Hauptgebäude von Monrepos wurde 1969 kontrolliert niedergebrannt, auf dem Gelände arbeitet heute in der 1909 erbauten Villa Waldheim ein archäologisches Forschungszentrum mit Museum. Im Roentgen-Museum erinnern Bildnisse der Grafen zu Wied an die Herrscherfamilie, unter der die Möbel und Uhren der Sammlung entstanden.

Stand: 9. Oktober 2026.

Wie gefällt Ihnen das neue Design?

Was gefällt Ihnen, was nicht, und was würden Sie sich wünschen? Ihre Rückmeldung ist anonym und hilft uns bei der Weiterentwicklung.