Friedrich III. zu Wied
Graf Friedrich III. zu Wied gründete 1653 Neuwied am Rhein und lockte mit Glaubensfreiheit Siedler an. Wie aus einem Weiler eine Residenzstadt wurde.
Graf Friedrich III. zu Wied gilt als Gründer der Stadt Neuwied. Auf den Trümmern eines im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Weilers ließ er eine neue Residenz am Rhein errichten und erwirkte 1653 für den Ort das Stadtrecht. Mit seinem Privileg von 1662, das den Bürgern freie Religionsausübung zusicherte, legte er den Grundstein für den Ruf Neuwieds als Stadt der Toleranz.
Leben
Friedrich kam am 16. November 1618 zur Welt, nach heutigem Kenntnisstand auf dem Neuenhof; ältere Darstellungen nennen dagegen Seeburg bei Dreifelden als Geburtsort. Seine Eltern waren Graf Hermann II. von Wied und Juliana Dorothea Elisabeth zu Solms-Hohensolms. Seine Jugend fiel mitten in den Dreißigjährigen Krieg, und schon früh musste er Verantwortung übernehmen: 1634 trat er die Herrschaft in der Oberen Grafschaft Wied an, einige Jahre später kam die Niedere Grafschaft hinzu, die das Gebiet am Rhein umfasste.
Viermal war der Graf verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Maria Juliana von Leiningen-Westerburg, geschlossen 1639, gingen fünfzehn Kinder hervor. Sein Nachfolger in der Niederen Grafschaft wurde jedoch Friedrich Wilhelm, ein Sohn aus der dritten Ehe mit Maria Sabina zu Solms-Hohensolms. Weil der Sohn noch ein Kind war, übergab Friedrich die Regierung im Dezember 1694 einem Vormund, dem Grafen August zur Lippe-Brake. Mit Friedrich Wilhelm begann später die Linie Wied-Neuwied. Friedrich starb am 3. Mai 1698, nach den meisten Angaben in Neuwied. Am 21. Juni desselben Jahres wurde er in der reformierten Kirche am Markt beigesetzt.
Die Gründung Neuwieds
Der Weg zur neuen Stadt hatte auch familiäre Gründe. Die Stammburg der Familie in Altwied blieb ihm durch seine Tante Magdalena verwehrt, sodass Friedrich nach einem eigenen Herrschaftssitz suchte. Er fand ihn an der Mündung der Wied in den Rhein, wo bis zum Krieg der Weiler Langendorf gestanden hatte. Dort ließ er ab 1648 ein befestigtes Haus errichten, das unter dem Namen Newen Wiedt bekannt wurde. Der Standort war mit Bedacht gewählt: Am Rhein ließ sich Handel treiben, mehrere alte Wege aus dem Hinterland liefen hier zusammen, und die Grafschaft sicherte sich ihren schmalen Zugang zum Strom.
Am 26. August 1653 übertrug Kaiser Ferdinand III. ein Stadtrecht auf die junge Siedlung, das ursprünglich bereits 1357 für den Ort Nordhofen ausgestellt, dort aber nie genutzt worden war. Dieser Tag gilt bis heute als Gründungsdatum der Stadt. Die Straßen wurden nach einem regelmäßigen, gitterartigen Plan angelegt, und die ersten Häuser bauten Beamte des Grafen, die mit der Verwaltung an den Rhein zogen.
Ein Privileg für Zuwanderer
Um seine Stadt zu füllen, setzte Friedrich auf Anreize. In dem Privileg von 1662, das im Jahr darauf vom Reichskammergericht bestätigt wurde, gestand er den Bürgern zu, ihren Glauben im häuslichen Rahmen frei auszuüben. Neubürger erhielten ein Grundstück, mussten zehn Jahre lang keine Steuern zahlen und waren von Leibeigenschaft und Frondiensten befreit. Zudem durfte die Bürgerschaft einen eigenen Magistrat wählen, der spätestens seit 1680 nachweisbar ist.
Die Wirkung zeigte sich bald. Neben der reformierten Gemeinde, der das Grafenhaus selbst angehörte, entstand rasch eine lutherische Gemeinde, die 1687 ihre Kirche einweihte; eine katholische Pfarrei folgte kurz nach seinem Tod, in den 1660er Jahren ließen sich die ersten jüdischen Familien nieder, und 1680 erkannten die Grafen die mennonitische Gemeinde an. Die Freiheiten galten allerdings nur innerhalb der Stadt; die Untertanen auf dem Land blieben leibeigen und waren an das reformierte Bekenntnis gebunden. Um 1680 zählte Neuwied gut fünfzig Häuser, um 1700 waren es rund zweihundert.
Rückschläge blieben nicht aus. Die Spannungen mit dem benachbarten Kurtrier begleiteten die Stadt von Beginn an, und im Pfälzischen Erbfolgekrieg traf es Neuwied hart: 1694 brannten französische Truppen den ersten Bau der Residenz nieder. Den Wiederaufbau erlebte Friedrich nicht mehr.
Spuren in Neuwied heute
Das deutlichste Erbe des Stadtgründers ist die Innenstadt selbst, deren rechtwinkliges Straßennetz noch heute im Stadtplan zu erkennen ist. An der Stelle seines befestigten Hauses steht das heutige Schloss Neuwied, das sein Sohn Friedrich Wilhelm um 1706 neu zu errichten begann und das bis heute von der fürstlichen Familie bewohnt wird; der Schlosspark ist größtenteils öffentlich zugänglich. Auch die Marktkirche erinnert an die Anfänge: Sie steht auf dem Platz der alten reformierten Kirche, in der Friedrich 1698 bestattet wurde. Das offizielle Gründungsdatum vom 26. August 1653 ist zudem der Bezugspunkt aller Stadtjubiläen.
Stand: 9. Oktober 2026.