Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied
Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied erkundete Brasilien und den Missouri. Wie der Naturforscher aus Neuwied unser Bild Nordamerikas prägte.
Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied kam 1782 in Neuwied zur Welt und wurde als Forschungsreisender in Brasilien und Nordamerika bekannt. Seine Reiseberichte und Sammlungen, vor allem aber die Bilder seines Begleiters Karl Bodmer, gelten bis heute als wichtige Zeugnisse über die indigenen Völker am oberen Missouri. In seiner Heimatstadt erinnert ein Denkmal vor dem Schlosstheater an den Naturforscher.
Leben
Maximilian wurde am 23. September 1782 in Neuwied geboren. Seine Eltern waren Erbgraf Friedrich Carl zu Wied-Neuwied und Louise, eine geborene Gräfin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, und in der Familie war er das achte von zehn Kindern. Wie viele Söhne aus Adelshäusern schlug er zunächst die militärische Laufbahn ein. 1802 trat er in preußische Kriegsdienste. Nach der Niederlage von Jena und Auerstedt geriet er im Oktober 1806 bei Prenzlau in französische Gefangenschaft. In den Befreiungskriegen trug er noch einmal Uniform, diesmal als Major bei den brandenburgischen Husaren, und zog 1814 mit in Paris ein. Später erhielt er den Rang eines preußischen Generalmajors.
Sein eigentliches Lebensthema aber war die Natur. Nach seinen großen Reisen kehrte er stets nach Neuwied zurück, wo er seine Funde ordnete, auswertete und veröffentlichte. Dort starb er am 3. Februar 1867.
Die Reise nach Brasilien
Von 1815 bis 1817 bereiste Maximilian den Osten Brasiliens. Auf einem Teil der Strecke waren die Naturforscher Friedrich Sello und Georg Wilhelm Freyreiss mit ihm unterwegs. Neben Tieren und Pflanzen interessierten ihn die Menschen, die dort lebten, und er suchte mehrere indigene Gemeinschaften auf, darunter die Botokuden. Seinen Bericht "Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817" brachte er ab 1820 in Frankfurt am Main heraus.
Aus Brasilien kam auch Joachim Quäck mit an den Rhein. Der um 1800 in Minas Gerais geborene Botokude erreichte Neuwied im Februar 1818 und arbeitete dort als Kammerdiener des Prinzen. Er starb 1834 in Neuwied. Sein Schädel gelangte später in die anatomische Sammlung der Universität Bonn und wurde am 15. Mai 2011 an Angehörige seines Volkes in Brasilien zurückgegeben, ein spätes Kapitel im Umgang mit menschlichen Überresten aus der Kolonialzeit.
Mit Karl Bodmer am Missouri
Die zweite große Expedition führte ihn von 1832 bis 1834 nach Nordamerika. Begleitet wurde er von dem Schweizer Zeichner Karl Bodmer und von dem Jäger David Dreidoppel. Das Ziel lag westlich des Missouri, wo Maximilian Pflanzen und Tiere erfassen und die Stämme kennenlernen wollte, die zu den Handelsposten am Fluss kamen. Bodmer hielt Landschaften, Siedlungen und vor allem Porträts von Menschen fest, denen die Reisenden begegneten.
Das Ergebnis erschien zwischen 1839 und 1841 unter dem Titel "Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834" beim Koblenzer Verleger Jakob Hölscher, ausgestattet mit 81 Bildtafeln nach Bodmers Vorlagen. Eine französische und eine englische Ausgabe folgten wenige Jahre später. Bodmers Werke befinden sich heute im Joslyn Art Museum in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska.
Sammlungen und Ehrungen
Was Maximilian von seinen Reisen mitbrachte, ist heute über mehrere Länder verteilt. Ethnologische Stücke liegen größtenteils im Linden-Museum in Stuttgart und im Ethnologischen Museum in Berlin, den Großteil seiner zoologischen Sammlung erwarb 1869 das American Museum of Natural History in New York. Sein Privatherbar wurde 1998 in der Bibliothek des Neuwieder Schlosses wiederentdeckt, Teile seiner brasilianischen Pflanzenbelege liegen in Berlin-Dahlem, Fossilien im Goldfuß-Museum in Bonn.
Die Fachwelt nahm seine Arbeit früh zur Kenntnis. Schon 1819 wurde er in die Leopoldina aufgenommen, es folgten Ehrenmitgliedschaften in mehreren Akademien und 1858 die Ehrendoktorwürde der Universität Jena. Zahlreiche wissenschaftliche Gattungs- und Artnamen erinnern an ihn, etwa der Maximilianpapagei oder die Pflanzengattung Neuwiedia.
Bezug zu Neuwied
Neuwied war für Maximilian Ausgangspunkt und Ziel seiner Reisen. Hier wuchs er im Umfeld des Wieder Grafen- und späteren Fürstenhauses auf, hier wertete er seine Beobachtungen aus und schrieb seine Bücher. Im Park der Residenz zeigte er seine Sammlung in der Fasanerie, und der Botokude Joachim Quäck verbrachte an seiner Seite mehr als 15 Jahre in der Stadt.
Spuren in Neuwied heute
Am Theaterplatz vor dem Schlosstheater, das heute die Landesbühne Rheinland-Pfalz beherbergt, steht das Maximilian-zu-Wied-Denkmal. Es zeigt neben dem Prinzen auch Karl Bodmer und den Häuptling Mato Tope und würdigt damit die Nordamerikareise der Jahre 1832 bis 1834. Wer sich für den wissenschaftlichen Nachlass interessiert, findet sein Privatherbar im Schloss Neuwied, das auch das Fürstlich Wiedische Archiv beherbergt.
Stand: 9. Oktober 2026.