Friedrich Wolf
Friedrich Wolf, 1888 in Neuwied geboren, war Arzt und einer der meistgespielten Dramatiker der Weimarer Zeit. Sein Weg führte bis ins Exil und in die DDR.
Friedrich Wolf war Arzt, Schriftsteller und Dramatiker und gehört zu den bekanntesten Söhnen der Stadt Neuwied. Mit Theaterstücken wie Cyankali und Professor Mamlock griff er die sozialen und politischen Konflikte seiner Zeit auf, später wurde er Kulturpolitiker und Diplomat der DDR.
Kindheit und Ausbildung in Neuwied
Wolf wurde am 23. Dezember 1888 in Neuwied geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie, sein Vater Max Wolf war Kaufmann in der Stadt. In Neuwied besuchte er zunächst die israelitische Elementarschule und ab 1899 das Königliche Gymnasium, an dem er 1907 das Abitur ablegte. Als Schüler schloss er sich der Wandervogel-Bewegung an. Nach einem kurzen Aufenthalt an der Kunstakademie in München studierte er Medizin in Tübingen, Bonn und Berlin. 1912 legte er das Staatsexamen ab und wurde in Bonn mit einer Arbeit über Multiple Sklerose im Kindesalter promoviert.
Arzt im Krieg und in der Weimarer Republik
Als junger Mediziner arbeitete Wolf an Krankenhäusern in Bonn und Meißen und fuhr als Schiffsarzt auf der Kanadalinie des Norddeutschen Lloyd. Im Ersten Weltkrieg diente er ab 1914 als Truppenarzt an der Westfront. Die Erfahrungen dort machten ihn zum Gegner des Krieges. Nach einer Verwundung und seiner Weigerung, weiter Kriegsdienst zu leisten, kam er 1918 als Lazarettarzt nach Dresden. In der Revolutionszeit trat er der USPD bei und gehörte dem sächsischen Zentralen Arbeiter- und Soldatenrat an.
In den folgenden Jahren wechselte Wolf mehrfach den Wohnort. Er beteiligte sich an der Siedlung des Malers Heinrich Vogeler in Worpswede, wurde 1920 Stadtarzt in Remscheid und stellte sich dort gegen den Kapp-Putsch. Später praktizierte er in Hechingen und ab 1927 in Stuttgart als Arzt für Naturheilkunde und Homöopathie. Sein Hausbuch Die Natur als Arzt und Helfer erschien 1928.
Der Dramatiker
Schon 1919 wurde in Dresden sein Stück Das bist du uraufgeführt. Es folgten Werke wie Der arme Konrad über den Bauernkrieg und 1929 Cyankali, ein Drama über die Not von Frauen unter dem strafrechtlichen Abtreibungsverbot. 1928 war Wolf in die KPD eingetreten, und auch sein 1930 entstandenes Stück Die Matrosen von Cattaro über den Matrosenaufstand von 1918 zeigt sein politisches Engagement. 1931 wurde er kurzzeitig unter dem Vorwurf der gewerbsmäßigen Abtreibung verhaftet.
Exil und Rückkehr
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ Wolf 1933 mit seiner Familie Deutschland und gelangte über Österreich, die Schweiz und Frankreich in die Sowjetunion. Das NS-Regime zog 1934 sein Vermögen ein und bürgerte ihn 1937 aus. Im Exil entstand Professor Mamlock, sein bekanntestes Stück, das die Verfolgung jüdischer Deutscher zum Thema hat und 1934 in Zürich und Warschau erstmals auf die Bühne kam. Von 1939 bis 1941 war Wolf in Frankreich im Lager Le Vernet interniert, ehe er nach Moskau zurückkehren konnte. Dort gehörte er 1943 zu den Gründern des Nationalkomitees Freies Deutschland.
Nach Kriegsende wirkte Wolf in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR am Aufbau von Rundfunk, Theater und Film mit und war an der Gründung der DEFA beteiligt. 1946 wurde er Mitglied der SED. Ab 1949 leitete er die diplomatische Mission der DDR in Polen und war 1950/51 deren erster akkreditierter Botschafter dort. Für Professor Mamlock und für das Drehbuch zum Film Der Rat der Götter erhielt er 1949 und 1950 jeweils den Nationalpreis der DDR. Seine Rolle als Kulturfunktionär eines Staates ohne freie Wahlen gehört ebenso zu seinem Bild wie seine Verfolgung durch das NS-Regime. Wolf starb am 5. Oktober 1953 in Lehnitz bei Oranienburg, wo er seit 1948 ein Haus besaß, und wurde auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin beigesetzt.
Bezug zu Neuwied
Neuwied war der Ort seiner Kindheit und Schulzeit. Hier wuchs er in der jüdischen Gemeinde auf, hier legte er am Gymnasium den Grundstein für seinen späteren Weg als Arzt und Autor.
Stand: 9. Oktober 2026.